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Junge Cliquen: Beeinflussen sie Einstellungen?

05.09.2005 - von Nmae und Adresse sind der Redaktion bekannt

Vor zwei Monaten überreichte ich (46) den jungen Mitarbeiterinnen eines Autohauses persönlich meine Bewerbungsunterlagen (sehr gute Zeugnisse).

Mein Mann, der mich begleitet hatte, sah durch die Glasfront, wie die Damen tuschelten, als ich ihnen beim Hinausgehen den Rücken zuwandte. Da eine Schreibkraft für den Seniorchef gesucht wurde und am gleichen Abend noch ein Herr dieser Firma bei uns anrief (ich war leider gerade nicht zu Hause, meine Tochter nahm den Anruf entgegen, konnte mir aber keine Details nennen), machte ich mir Hoffnung, in diesem "jungen" Unternehmen einen Arbeitsplatz zu finden; Probleme sah ich nicht, ich kann mich erinnern und auch vorausschauen und mich so in viele Altersgruppen hineindenken.

Als ich am nächsten Tag meinen Rückruf startete, wußten die Damen, darunter die Sekretärin des Juniorchefs, merkwürdigerweise von nichts. Es gab ab sofort und in den nächsten Tagen keine Möglichkeit, einen Verantwortlichen zu sprechen (vom Seniorchef war nicht die Rede, der Juniorchef war stets beschäftigt), man rief auch nicht zurück.

Jetzt bat ich um Rücksendung meiner Papiere, die zuerst nicht zu finden waren, dann angeblich im Büro des Chefs (Juniorchefs?) lagen. Als ich mich bei der Sekretärin des Juniorchefs für die Rücksendung bedankte, konnte ich mir die Frage nicht verkneifen, ob der Herr am Telefon vor zwei Monaten eventuell der Seniorchef gewesen sein könnte. Diese Frage blieb offen.

In mir macht sich der Verdacht breit, der Senior könnte nach dem Sichten meiner Unterlagen Interesse gezeigt haben, dann aber dahingehend beeinflusst worden sein, sich bei dieser Entscheidung doch zurückzuhalten. Dem "jungen" Unternehmen blieb so die Einstellung einer "so alten" Frau erspart. Das wäre, würde es stimmen, gleich ein doppelter Fall von Altersdiskriminierung. Meine Unterlagen erhielt ich im übrigen mit einem Anschreiben zurück, das keine Unterschrift enthielt.

Diese und andere Erfahrungen und das Lesen Ihrer Internetseite haben mich ins Grübeln gebracht. Ich denke, dass die "jungen Cliquen" in manchen Unternehmen (ich spreche hier nicht von allen jungen Leuten, dann würde ich ja selbst diskriminieren) gern unter sich bleiben möchten und einiges tun, um das auch zu schaffen (die Vorauswahl kann hier vielleicht auch schon mal ohne den Chef getroffen werden). Als Gründe dafür sehe ich zum einen die Angst vor der Konkurrenz mit älteren Arbeitnehmern (fundierte Kenntnisse, Lernbereitschaft und somit schnelles Schließen von Wissenslücken usw.), zum anderen das, was den Älteren so gern nachgesagt wird, wenn man nicht mehr weiter weiß, nämlich Unflexibilität; denn wenn ich - unabhängig von meiner Position - nicht mehr fähig bin, mit Leuten höheren Alters zusammenzuarbeiten, bin ich schlichtweg unflexibel; mir ist es, den Bereich Arbeit betreffend, nicht mehr möglich, mich auf eine höhere Altersgruppe zuzubewegen.

Darüber sollte man mal nachdenken.


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