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12.02.2026 - von Hanne Schweitzer
Die Alterung soll gesichert werden. Deshalb gibt es mal wieder eine Rentenkommission. Sie heißt: Alterungssicherungskommission. Ihre Aufgabe, den „Paradigmenwechsel in der deutschen Altersversorgungspolitik“ mit guten Vorschlägen zu flankieren, verkündete Kanzler Merz beim Neujahrsempfang der Deutschen Börse in Frankfurt. Dort war die Freude groß. Zwar wird die gesetzliche Rentenversicherung bleiben, "aber sie wird nur ein Baustein eines neuen
Gesamtversorgungsniveaus werden, in dem die private Altersvorsorge und die betriebliche Altersversorgung eine wesentlich größere Rolle spielen werden als bisher“, so Merz. Die „Stärkung der kapitalgedeckten privaten und betrieblichen Altersversorgung“ werde auch
für den „Kapitalmarkt der Bundesrepublik Deutschland einen erheblichen Wachstumsschub auslösen“.
Arbeitsministerin Bas ernannte 13 Mitglieder der Kommission. Sie sollen bis Mitte 2026, also spätestens im Juni, Vorschläge für diese Rentenreform vorlegen und über das "Gesamtversorgungsniveau" beraten.
Zur Vorsitzenden der Rentenkommission wurde Prof. Dr. Constanze Janda und der Ex-Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise ernannt. Die beiden Vorsitzenden haben drei Stellvertreter. Das sind Pascal Reddig (CDU), Florian Dorn (CSU), sowie Annika Klose (SPD). Zu diesen Fünfen kommen acht WissenschaftlerInnen. Sie wurden von den Regierungs-Fraktionen der CDU/CSU und SPD vorgeschlagen.
Kaum zu glauben aber wahr: Es gibt sogar jemanden, der die Deutsche Rentenversicherung vertritt. Bisher ist er namenlos, und hat in der Runde kein Stimmrecht. Wie nicht anders zu erwarten, ist von den Damen und Herren, die mit ihren Vorschlägen einen Wachstumsschub auslösen sollen, niemand auf eine gesetzliche Rente angewiesen sein wird. Was also wird bei den Sitzungen rauskommen? Möglichst viel gutes Futter für die Banken und Versicherungen.
Durch eine Info von German Foreign Policy wird das bestätigt. Unter der Überschrift `Berlin gegen Paris` heißt es am 12.2.2026: "Konsensfähig scheint dagegen die Absicht zu sein, die private Rentenversorgung zu stärken, um aus den Einlagen Investitionen zu tätigen – nach dem Vorbild eines Pensionsfonds aus Kanada, wie es heißt."
Die Mitglieder der Kommission zur Sicherung der Alterung der gesetzlich Rentenversicherten
- Prof. Dr. jur. habil Constanze Landa. Pensionsberechtigt.
Professorin für Bürgerliches Recht, Medizinrecht, Deutsches und Europäisches Sozialrecht
Inhaberin des Lehrstuhls für Sozialrecht und Verwaltungswissenschaft an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer. Seit April 2025 Mitglied im Beirat und im wissenschaftlichen Ausschuss des Beirats der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung im Bundesministerium des Innern und für Heimat.
- Prof. Dr. Peter Bofinger. Pensionsberechtigt.
Peter Bofinger ist ein deutscher Ökonom und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg. Von März 2004 bis Ende Februar 2019 war er Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.
- Prof. Dr. Tabea Bucher-Keonen. Pensionsberechtigt.
Sie ist Professorin für Finanzmärkte an der Universität Mannheim und Co-Direktorin des Mannheim Institute for Financial Education (MIFE). „Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte“. Die Forschungsschwerpunkte von Tabea Bucher-Koenen liegen auf dem Gebiet der Finanzen privater Haushalte (Household Finance), der Altersökonomie und des demografischen Wandels, insbesondere beschäftigt sie sich mit privaten und staatlichen Rentensystemen und langfristigen Finanzentscheidungen. In ihren aktuellen Arbeiten befasst sie sich unter anderem mit individuellen Spar- und Versicherungsentscheidungen sowie der Bedeutung von Finanzwissen.
- Prof. Dr. Martin Werding Pensionsberechtigt.
Seit seiner Habilitation im Jahr 2008 ist er Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum. Seine Forschungsschwerpunkte sind Öffentliche Finanzen, Sozialpolitik (Alterssicherung und Familienpolitik), Bevölkerungsökonomie (Fertilität und Migration) und Arbeitsmarktpolitik. 2021 stellte Martin Werding zusammen mit Johannes Vogel und Christian Dürr auf der Bundespressekonferenz eine Studie zum Konzept der Aktienrente der FDP vor. Diese Studie ist durch Martin Werding und Benjamin Läpple im Auftrag der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag entstanden.
- Prof. Jörg Rocholl. Pensionsberechtigt.
Jörg Rocholl ist Präsident der ESMT, Deutsche Bank Professor in Sustainable Finance und Forschungsprofessor am ifo Institut in München. Er ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen und Vorsitzender des Steering Committee des Global Network for Advanced Management (GNAM). Darüber hinaus ist er Research Fellow am Centre for Economic Policy Research (CEPR) und Research Member des European Corporate Governance Institute (ECGI).
- Prof. Dr. Georg Cremer. Pensionsberechtigt.
Georg Cremer ist ein deutscher Volkswirtschaftler. 1983 promovierte er in Volkswirtschaftslehre, 1992 habilitierte er in diesem Fach. Von 2000 bis 2017 übte er das Amt des Generalsekretärs des Caritasverbandes aus. "Alles schrecklich ungerecht? Mythen, Halbwahrheiten, Fakten zum deutschen Sozialstaat", Herder, Freiburg, 2025, ISBN 978-3-451-07361-8
- Prof. Dr. Silke Übelmesser. Pensionsberechtigt.
"Professorin für Finanzwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Berufung der parteiunabhängigen Wissenschaftlerin erfolgte auf Vorschlag der Union. Ihre Berufung macht zugleich die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der Universität Jena sichtbar und wirksam«, sagt Andreas Marx, Präsident der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
- Prof. Dr. Camille Logeay. Pensionsberechtigt.
Seit dem Wintersemester 2010 Professorin an der HTW. Lehrt Volkswirtschaftslehre und Ökonometrie. Davor wissenschaftliche Referentin am Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Jahr, Abteilungsleiterin am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, wissenschaftliche Referentin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Projektleitung des aktuellen Projekt: Open Source Rentenmodell – Modul Rentenrecht, Demografie und Lohnentwicklung / Entwicklung einer Open Source Plattform (Open Source Rentenmodell - Anschlussprojekt) 01.11.2024 - 31.05.2027
- kein Prof. aber: Doktor Florian Dorn, CDU/CSU, Bundestagsabgeordneter. Pensionsberechtigt.
Rede im Bundestag. 56. Sitzung vom 29.01.2026
TOP 20 ETF-Sparplan für die Altersvorsorgung [/b]
"Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! In Deutschland wurde 2002 die Riester-Rente eingeführt, schon damals mit dem Ziel, dass auch die deutschen Sparer von einer positiven Entwicklung des Kapitalmarkts bei der Altersvorsorge profitieren
und damit die sich abzeichnende Absenkung des Rentenniveaus in der gesetzlichen Rente aufgrund der demografischen Alterung ausgeglichen wird. Wir wissen: Während einige andere Länder mit kapitalgedeckten Modellen von der Kapitalmarktentwicklung in den letzten 25 Jahren deutlich profitierten, profitierten unsere Sparer – es gab zahlreiche Abschlüsse, viele Verträge wurden bespart; der Kollege Brodesser hat die 16 Millionen schon genannt – aufgrund von Einschränkungen zu wenig.
Die Gründe sind bekannt. Zum einen ist es fehlende Transparenz. Vor allem ist es der zu eingeschränkte Fokus auf Risikominimierung und hundertprozentige Sicherheitsgarantie. Damit wurde leider versäumt, die Renditechancen am Kapitalmarkt mehr auszuschöpfen,beispielsweise auch, wie es heute möglich ist, mit Fonds und ETFs. Außerdem kommt hinzu: Die Verträge waren einfach zu teuer; die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten haben leider die geringen Renditen mit aufgefressen. Ja, wir wissen, die Anlage am Kapitalmarkt ist natürlich zum Sparen und als ergänzende Altersvorsorge an sich sehr attraktiv. Deswegen haben wir im Koalitionsvertrag dazu ja vereinbart, dass wir nicht nur mit der Frühstartrente für die Kinder ein individuelles kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot einführen wollen, sondern dass wir auch die bisherige Riester-Rente in ein neues Vorsorgeprodukt überführen, sie von zwingenden Garantien und von bürokratischen Hemmnissen befreien und auch von den Verwaltungs-, Produkt- und Abschlusskosten herunterkommen wollen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Meine Damen und Herren, das Kabinett hat bereits mit dem Entwurf zum Altersvorsorgereformgesetz das alles schon ins parlamentarische Verfahren gegeben: Einführung eines Altersvorsorgedepots ohne Garantievorgaben, mehr Transparenz und Wettbewerb, Kostendeckelung – Herr Thews hat das schon mit aufgeführt – und Einführung eines Standardprodukts, Förderung gerade für kleine und mittlere Einkommen und auch steuerliche Abzugsfähigkeit der Beiträge für das Altersvorsorgedepot.
Und dann lese ich den Antrag der AfD und frage mich: ... ist es jetzt noch der Versuch, ganz schnell auf dieses Thema aufzuspringen und einen ETF-Sparplan vorzuschlagen, der aber in unserem Altersvorsorgedepot schon integriert ist."
- kein Prof. aber Doktor: Monika Queisser. Pensionsberechtigt.
Von 1993 bis 1997 arbeitete sie bei der Weltbank in Washington D.C. zunächst als Young Professionell, dann als Expertin für Rentensysteme, Regulierung und Aufsicht von privaten Rentenfonds und Versicherungen. Zwischen 1999 und 2007 war sie bei der OECD Referentin in der Abteilung für Sozialpolitik, zuständig u. a. für Rentenpolitik und Behindertenpolitik in OECD-Ländern. Seit 2009 leitet Monika Queisser bei der OECD die Abteilung für Sozialpolitik. U.a. ist sie zuständig Sozialausgaben und Rentenpolitik. Sie berät als international anerkannte Rentenexpertin Regierungen der OECD-Länder bei der Gestaltung und Umgestaltung ihrer Rentensysteme.
- kein Prof. und kein Dr.: Annika Klose, SPD, Bundestagsabgeordnete. Pensionsberechtigt.
"Wie erklärst du jemandem, der 42 Jahre gearbeitet und 42 Jahre eingezahlt hat, und 900 Euro Rente hat ..."
Link
- kein Prof. und kein Dr.: Pascal Reddig, CDU, Bundestagsabgeordneter. Pensionsberechtigt.
Vorsitzender der Jungen Gruppe | Stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgruppe Kultur und Medien | Obmann im Ausschuss für Kultur und Medien
Mandat Hanau (179), Direkt gewählt
Mitglied des Deutschen Bundestages seit 25.03.2025 (21. Wahlperiode)
Mitgliedschaften Fraktion
AG Arbeit und Soziales Fraktion
AG Kultur und Medien Fraktion
Arbeitsgemeinschaft Kommunalpolitik Fraktion
Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten Fraktion
Junge Gruppe Bundestag
Ausschuss für Arbeit und Soziales Bundestag
Ausschuss für Kultur und Medien
- kein Prof. und kein Dr.: Frank-Jürgen Weise. Siehe dazu: "Faktenscheck zur Sendung Die Anstalt vom 02.2026".
Aktuelle Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge zur Rente:
- 18,6 Prozent in Deutschland
- 22,8 Prozent in Österreich
- 27,8 Prozent in Frankreich
- 28,3 Prozent in Spanien
- 33,0 Prozent in Italien
In Deutschland ist die Rente mit 53,3 Prozent des Gehalts so niedrig, dass sie unter dem OECD-Durchschnitt von 63,2% liegt .
- In Ö.F. Esp. und I beträgt die Rente 70 bis 85 Prozent des Gehalts.
Bliebe das Rentenniveau in D so wie heute, würde die Belastung für die Wirtschaft jedes Jahr um schlappe 0,07 Prozent wachsen.
ZDF: Die Anstalt Spezialfolge: Die Renten-Katastrophe?! Sendung vom Februar 2026 unter Link
Weitere Infos unter: faktencheck-vom-6-februar-2026-100-3.pdf
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