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Da sitze ich auf meiner Insel der Glückseligen und lasse die Zeiterscheinungen vorüberziehen…

Foto: H. J.

05.02.2026 - von Hartmut Jeromin

Was es nicht alles gibt! Aber dann schickt mir F. aus Potsdam einen Zeitungsausschnitt, „Freitag“, 29.01.26, also taufrisch. 10 Beispiele von westdominierten Betriebsschließungen im Osten: Süßwarenhersteller in Sachsen, Gummiwerk in Thüringen, Fleischbetrieb in Brandenburg, Glaswerk in Bernsdorf, Spreewaldgurken in Golßen, Wurstwaren in Eberswalde Waggonbau Niesky, Papierfabrik Neu Kalies, VW in Zwickau und Dresden, Zuckerfabrik und so fort. Alle Betriebsschließungen nach dem gleichen Muster: Marktbereinigung und nicht genug Rendite. Durch alle Branchen. Meist alteingesessene Traditionsbetriebe. Leidtragende sind immer auch die Beschäftigten neben den Bewohnern ganzer Landstriche.

Aber dann wedelt noch was auf meinen Schreibtisch: „Berliner Zeitung“. Verleger Jakob Augstein hält eine Rede in Berlin/Adlershof. Der Reporter reibt sich die Augen, sowas gab es ja noch nie! Augstein: "… nach 3 Jahrzehnten „Ostalgie“ erlebt der Westen jetzt seinen eigenen großen Bruch … wird die ostdeutsche Erfahrung- wie man lebt, wenn eine eigene Welt zusammenbricht zur wertvollsten Ressource dieses Landes … der Westen wird gerade erschüttert … . Entlassungen bei VW in Wolfsburg, einem Herz des westdeutschen Wohlstands …
… aber noch immer inszeniert man in Selbsttäuschung den Rechtspopulismus als ostdeutsches Problem … dabei wurde die AfD 2013 in Oberursel Mitten im Westen gegründet, ihr Bundesvorstand ist bis auf T. Chrupala westdeutsch dominiert und 2/3 ihrer Bundestagabgeordneten kommen aus alten Bundesländern … also sagt H. Friedrich: Ostdeutschland ist keine Problemzone in Demokratie sondern eine Ressource. – Na wenn das nichts ist? In der Debatte um Ostalgie.

Aber es kommt noch verrückter: DNN vom Wochenende- „Sachsen bestes Bundesland für Unternehmen…“ und macht das fest an „Arbeit und Humankapital“, an „Finanzierung“ sowie an „Infrastruktur“, an „Institutionen“ und „Steuern“. Also zukunftsweisenden Wirtschaftsfaktoren! Mir fällt als bestes Beispiel dafür der „Kyffhäuser“ in Großharthau ein, da geht ein Geschäftsmodell immer wieder durch die Wand: Schlachtefest, Xanadoo, Vincent Groß, Sigrid und Marina, Rosenmontag, Discofox. 2x die Woche und immer volles Haus, Senioren als zahlendes Publikum. Die Hiergebliebenen feiern … immer nochmal!

Wenn, ja wenn nicht der Gold- und Silberpreis gerade eine Talfahrt hinlegten und der Bitcoin auch nicht mehr das ist was er Mal war … Trump immer Mal wieder „Auftrumpft“, Indien immer interessanter wird und Südamerika …
Aber auch hier im Hause mit seinen 3 Sparten – Tagespflege, Wohngruppen und Seniorenwohnen - geht das Wirtschaftliche weiter seien Gang, die Köche kochen, Reinigungskräfte werden weniger, Autos blockieren das Außengelände, Stürze im Haus sind normaler Alltag und kommuniziert wird mit der Verwaltung immer mehr über ausgehängte Schriftstücke mit besonders großer Schrift, damit es auch jeder zur Kenntnis nehmen kann. Und es wird still vor sich hin gealtert in Vereinsamung, mitten in einem „Rentnerdorf“. Aber das Dorfgemeinschaftshaus hält die Fahne hoch mit bunten Veranstaltungen.
Nur Notarzt und Rettungsdienste haben alle Hände voll zu tun. Das liegt aber wohl in der Natur der Sache. H.J. wird sich das wohl noch eine Weile mit ansehen können bis … ja bis ihm der Kragen platzt! Aber noch nicht im Februar 2026.

Quelle: Hartmut Jeromin