
Foto: H.S.
04.11.2026
Herr und Frau K. haben im schönen Montenegro Urlaub gemacht. Die Reise hatten sie bei „Reisen aktuell“ gebucht. Alles war gut organisiert, bezahlt und vorbereitet. Damit beim Einchecken alles reibungslos funktioniert, hatte man ihnen geraten, 30 Euro zusätzlich zu bezahlen, denn weder Herr noch Frau K. besitzen ein Handy.
Beide gehören zu einer Generation, die prima ohne Smartphone durchs Leben gekommen sind. Sie telefonieren mit einem normalen Telefon, schreiben Briefe, schwätzen mit den Nachbarn, lesen Illustrierte, sehen Fern und wissen durchaus, wie man sich in der Welt zurechtfindet. Auch ohne Smartphone.
Der Abflug in Köln klappt problemlos. Koffer abgegeben, eingecheckt, eingestiegen. Dann Urlaub. Anderes Wetter, anderes Licht, andere Sprache, andere Menschen, anderes Essen, Meer, Schiffe, Inseln, Buchten.
14 Tage später geht es zurück nach Köln.
Flughafen. Einchecken, Koffer aufgeben, einen Papierschnitzel als Gegenwert erhalten. Aber keine Bordkarte. Warum nicht? Herr und Frau K. haben kein Handy.
Da stehen sie nun. Ohne Bordkarte. Und ohne zu wissen, wie das Problem zu lösen ist. Handelt es sich um ein Missverständnis? Um eine Schikane, ist das Flugzeug überbucht und die Handylosen müssen draußen bleiben?
Zum Glück sind sie nicht allein. Ungefähr zehn weitere Reisende befinden sich in derselben Situation. Menschen, die nicht wussten, wie wagemutig es ist, ohne Smartphone zu verreisen.
Man stelle sich vor: Eine Gruppe älterer Menschen steht im Flughafenterminal. Sie haben ihre Reise bezahlt, ihre Koffer aufgegeben und sie möchten nichts weiter, als ins Flugzeug zu steigen. Das wird ihnen aber nicht erlaubt. Ihnen fehlt etwas, das sie gar nicht besitzen: ein Handy.
Der Versuch, beim Reiseveranstalter anzurufen, scheitert. Es ist Sonntag, keiner da.
Was tun? Sollen sie den Rest ihres Lebens in Montenegro verbringen? Hoffen, dass es Handys regnen wird, bevor das Flugzeug abhebt? Soll die 96-jährige Mutter von Frau K. losziehen, um eine Wohnung an der montenegrinischen Küste zu suchen?
Wofür haben sie die 30 Euro Aufpreis bezahlt? Dreißig Euro, die offenbar nicht mal für zwei Bordkarten reichen.
Herr K. wird zunehmend wütend. Laut, sehr laut - seine Frau meint, er habe die Contenance verloren, brüllt er das Flughafenpersonal an. Ihr Verhalten sei ihm völlig unverständlich, es stehe im Widerspruch zu allem, was ihm und seiner Frau und allen Mitreisenden ohne Handy bei der Buchung zugesagt worden sei.
Manchmal muss man laut werden. Denn tatsächlich: Herr K. hat damit Erfolg!
Alle Handylosen können ohne Bordkarte ins Flugzeug. Aufatmen!
Die Erleichterung kann aber den Ärger nicht wegwischen. Es bleibt ein ziemlich bitterer Nachgeschmack. Zum einen, weil ja von den Reisenden ohne Handy jeder 30 Euro mehr bezahlt hat, damit das Prozedere am Flughafen auch ohne Handy klappt. Zum anderen fühlen sie sich diskriminiert und so behandelt, als ob es ungehörig, ja verboten wäre, kein Smartphone in der Tasche zu haben.
Seit wann gilt ein Smartphone als Voraussetzung für eine Bordkarte? Es verstößt gegen die elementaren Rechte von Reisenden, dass man erst ein Smartphone kaufen, eine App herunterladen und sich durch irgendwelche digitalen Anwendungen kämpfen muss, um an eine Bordkarte zu kommen, mit der man in ein Flugzeug einsteigen darf. Gilt demnächst Flugverbot für alle, die ohne Smartphone einen bezahlten Flug antreten wollen?
Eine Bordkarte ist dazu da, Reisende ins Flugzeug zu bringen – und nicht dazu, Menschen ohne Handy am Flughafen stranden zu lassen.
Gut, am Ende saßen alle Reisenden im Flugzeug. Aber das Vertrauen in die Selbstverständlichkeit eines Lebens ohne Handy war ziemlich erschüttert.
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13.4.2020: "In Davos 2018 beschlossen: Reisende überwachen sich selbst" Link
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